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Nahwärme

Bereits seit vielen Jahren wird über den Sektor Wärme als „schlafenden Riesen“ im Bezug auf den Klimaschutz und der Einsparung von CO2-Emissionen gesprochen. In den letzten Jahren haben sich die politischen Rahmenbedingungen deutlich verbessert und immer mehr Projekte zur Dekarbonisierung unserer Wärmeversorgung konnten und können angestoßen werden.
Eine wichtige Bedeutung in der Umstellung der Wärmeversorgung spielen dabei Nahwärmeversorgungen, vor allem in dicht besiedelten Gebieten.
Auf dieser Seite wollen wir einige allgemeine Informationen zum Thema Nahwärme bereitstellen.

Wollen Sie wissen, wie ein Nahwärmeanschluss bei Ihnen abläuft, klicken Sie bitte hier.

Was bedeuten die wichtigsten Begriffe?

Darunter versteht man eine zentrale Wärmeerzeugung, mit der verschiedene Abnehmer über ein Leitungsnetz mit Wärme versorgt werden. Die Anzahl der Abnehmer kann dabei sehr variieren, von nur ein paar Wenigen bis zu großen Netzen mit tausenden Abnehmern. Die Abnehmer zahlen dabei die tatsächlich gelieferte Wärmemenge, nicht den eingesetzten Brennstoff.

Wo ist Nahwärme sinnvoll?

Nahwärme ist immer eine sinnvolle Option in dicht besiedelten Gebieten. Entscheidend ist hierbei die mögliche Anschlussdichte. Je höher die Anschlussdichte, desto interessanter ist eine Nahwärmeversorgung. Aus diesem Grund werden oftmals im städtischen Umfeld Nahwärmeversorgungen aufgebaut. Durch den Wegfall der lokalen Emissionen kann ein großer Betrag zur Luftreinhaltung geschaffen werden. Ein Nahwärmeanschluss hat auch den großen Vorteil, dass bei den einzelnen Anschlussnehmern keine eigene Heizungsanlage im Keller installiert werden muss und der Platz anderweitig genutzt werden kann. Aus diesem Grund ist die Anschlussquote oftmals sehr hoch.

Aber auch im ländlichen Umfeld gibt es sinnvolle und auch wirtschaftliche Anwendungsmöglichkeiten. Oftmals sind hier die Verlegungskosten deutlich geringer und die Brennstoffversorgung kann ohne größere Entfernung sichergestellt werden. Meistens kann auch die Energiezentrale an einem für das Netz idealen Standort errichtet werden, nicht so stark beeinflusst durch andere Einflussfaktoren.

Einen großen Einfluss auf die Umsetzbarkeit spielen große Abnehmer. Mit den sogenannten Ankernutzern kann ein wichtiger Beitrag zur Wirtschaftlichkeit eines Nahwärmenetzes geschaffen werden. Diese können bestimmte Gewerbe-/Industriegebäude oder auch kommunale Liegenschaften sein.

Welche Wärmeerzeuger kann es geben?

Ein Biomasseheizwerk ist eine Anlage in der zur Erzeugung von Wärme nachwachsende Rohstoffe wie Waldhackgut, Sägereste, Stroh oder Restholzpellets verbrannt werden. Diese Biomasse ist im Gegensatz zu fossilen Brennstoffen ein nachwachsender Energieträger und somit weitestgehend CO2-neutral. Die Brennstoffe werden in der Regel in einem großen Lagerraum (Bunker genannt) eingefüllt. Von dort aus wird der Brennstoff geregelt in einen Biomassekessel gefördert und verbrannt. Die auftretenden Abgase werden anschließend sehr intensiv gefiltert, bevor diese an die Umwelt abgegeben werden. In den seltensten Fällen findet eine Abgasreinigung bei privaten Heizungsanlagen statt. Im Vergleich zu einem Biomasseheizwerk wird in einem Biomasseheizkraftwerk neben Wärme auch Strom erzeugt Dabei wird der Strom oftmals mit einer Turbine erzeugt, aus den Abgasen wird dann die Wärme ausgekoppelt. Aufgrund des hohen technischen und finanziellen Aufwands wird dies aber erst bei sehr großen Kraftwerken praktiziert. Eine Ausnahme bilden dabei kleine Holzvergaseranlagen, die es bereits in sehr kleinen Leistungen gibt. Entscheidend für die Wirtschaftlichkeit dieser kleinen Anlagen stellt eine ganzjährige Nutzung der erzeugten Energie und eine hohe Laufzeit der Anlage dar. Diese Anlagen sind aber betriebstechnisch sehr aufwendig und benötigen regelmäßige Wartungen.

Wie läuft ein Nahwärmeprojekt ab?

a.      Interessensabfrage

In einem ersten Schritt wird das Interesse an einem Nahwärmenetz in einem interessanten Gebiet abgefragt. Dazu werden in diesem Gebiet Interessensbekundungen verteilt.
Bei der Interessensabfrage ist es für uns sehr wichtig, dass wir eine möglichst hohe Zahl an Antworten bekommen, unabhängig ob Interesse besteht oder nicht. Mit nur einem geringen Prozentsatz an Rückmeldungen zeigt sich für uns kein wirklich aussagekräftiges Bild über das Interesse. Je höher die Rückmeldungsquote ist, desto genauer können wir das Potential einschätzten. Alle Anschlussnehmer, die keine Rückmeldung abgeben, sind für uns eine Blackbox, wo wir nur abschätzten können, ob Interesse besteht. Bei unserer Abschätzung können wir nur eine vorsichtige Zahl an weiteren Anschlussnehmern aufnehmen.
Wir werden zum Abschluss der Interessensabfrage eine erste Abschätzung der Wirtschaftlichkeit treffen, auf Basis der eingegangenen Rückmeldungen und unserer Annahmen. Nur einer hohen Zahl an Rückmeldungen ermöglicht uns ein aussagekräftiges Bild und eine fundiertere Entscheidung über den weiteren Projektverlauf zu treffen.

b.      Machbarkeitsstudie

Finden sich genügend Interessenten für ein Nahwärmenetz, so wird im nächsten Schritt eine Machbarkeitsstudie durchgeführt. Darin wird ein mögliches Netz auf technische und wirtschaftliche Umsetzbarkeit überprüft. Dabei können verschiedene Wärmeerzeuger und Netzvarianten verglichen und analysiert werden. Für den Wärmebedarf werden zum einem mit den  Daten aus der Interessensabfrage und zum anderen, falls keine weiteren Daten vorliegen, mit Annahmen und Abschätzungen gearbeitet. Mit den Ergebnissen der Machbarkeitsstudie erhalten wir ein sehr aussagekräftiges Bild über die Umsetzbarkeit eines Nahwärmenetzes. Dazu wird auch ein erster Plan des Netzes angefertigt und eine erste Kostenschätzung durchgeführt.

c.      Abschluss Vorverträge

Zeichnet die Machbarkeitsstudie ein positives Bild, werden im nächsten Schritt Vorverträge mit den Anschlussnehmern abgeschlossen. Darin erklärt sich der Anschlussnehmer bereit, zu einem späteren Zeitpunkt einen verbindlichen Wärmeliefervertrag abzuschließen, wenn die im Vorvertrag genannten Konditionen eingehalten werden. Können wir als Betreiber diese Konditionen nicht einhalten, sind die Anschlussnehmer nicht verpflichtet und müssen keinen Liefervertrag abschließen.

Hintergrund der Vorverträge ist es, dass wir eine belastbare Grundlage für den nächsten Planungsschritt benötigen, da dieser mit hohen externen Planungsaufwendungen verbunden ist.

d.      Ausplanung, Ausschreibung, Vergabevorbereitung

Wird eine ausreichende Zahl an Vorverträgen abgeschlossen, wird die technische Ausplanung des Nahwärmenetzes beauftragt. Hier wird eine genaue Ausführungsplanung erstellt, die nötigen Massen ermittelt und ein Leistungsverzeichnis für die Angebotseinholung erstellt. Nach der Angebotseinholung von verbindlichen Preisen am Markt wird eine Kostenberechnung des gesamten Projektes durchgeführt und eine finale Wirtschaftlichkeitsrechnung erstellt. Anhand dieser werden die finalen Konditionen des Anschlusses und der Wärmelieferung bestimmt.

e.      Abschluss Anschlussverträge und Wärmelieferverträge

Werden mit der finalen Wirtschaftlichkeitsrechnung die Konditionen der Vorverträge eingehalten, so steht den Abschluss der Anschluss- und der Wärmelieferverträge nichts im Weg. Der Anschlussvertrag regelt die technischen Anschlussbedingungen an das Nahwärmenetz, während im Wärmeliefervertrag die Konditionen für die tatsächliche Belieferung festgehalten werden.

Werden die Konditionen nicht eingehalten, so werden wir das Gespräch mit allen interessierten Anschlussnehmern suchen und nach einer alternativen Umsetzungsmöglichkeit suchen.

Da die Bindefrist der Angebote nur sehr begrenzt ist, ist es wichtig, dass dieser Projektschritt schnell abgearbeitet wird, da sonst die Kosten und die Wirtschaftlichkeit möglicherweise mit neuen Preisen nicht eingehalten werden kann.

f.      Beauftragung um Umsetzung

Sind alle Wärmelieferverträge unterschrieben, liegt eine Förderzusage für das Projekt vor und ist die Finanzierung gesichert, wird die Ausführung beauftragt und es beginnt die Umsetzung des Projektes.